Das Interview mit Martin Kraut

Rubik's - Interview mit Martin KrautMartin Kraut aus Duisburg belegte bei der Deutschen Meisterschaft im Speedcubing Platz 3. Der 18-Jährige, der dieses Jahr sein Abitur gemacht hat und jetzt sein Psychologie-Studium beginnt, erzählt im Interview, was ihm der Würfel bedeutet – und wie man richtig gut wird.

„20 Sekunden kann jeder schaffen“

Martin, wie alt warst Du, als Du Deinen ersten Rubik’s-Würfel in der Hand hattest?

Das weiß ich nicht mehr genau, wahrscheinlich, als ich ein Kind war. Aber richtig in Kontakt damit kam ich durch einen guten Schulfreund. Der hatte das im Fernsehen gesehen und hat sich einen richtigen Speedcuberwürfel bestellt. Das wollte ich dann auch machen.

Und wie viele Würfel hast Du heute?

Die Würfel sind, seitdem ich angefangen habe, deutlich besser geworden. Ich kaufe mir einen neuen, wenn der alte meinen Ansprüchen nicht mehr genügt. Aber ich habe nicht so viele wie andere Cuber. 25 vielleicht? Und bei Freunden liegen eben welche herum.

Wie viel „trainierst“ Du? Jeden Tag? Und wie lange?

Ich mache das nicht exzessiv, eher, wenn ich gerade Zeit und Lust habe. Aber so hundert Mal löse ich ihn schon am Tag. Das dauert ja nicht lange. Manchmal höre ich ein Hörbuch dabei. Auch im Urlaub habe ich immer ein paar mit.

Kannst Du alle Disziplinen? Und welche ist Deine liebste?

Ich kann die meisten Disziplinen, kann den Würfel zum Beispiel auch blind lösen. Aber ich löse am liebsten 3×3, 4×4 und 5×5.

Was muss man mitbringen und wie viel muss man üben, um so schnell zu werden?

Es ist vor allem Fleißarbeit. Man muss sich durch ziemlich viel Frustration beißen. Und man muss immer weiter lernen, damit man immer mehr Fälle erkennt und ausführen kann. Und dann möglichst oft den Würfel auf Zeit lösen. Man muss es eben einstudieren.

Also es ist erst einmal Arbeit im Kopf? Wie beim Schach?

Das ist ein ganz guter Vergleich – aber nicht ganz korrekt. Tatsächlich betrachtet man den Würfel nicht als Ganzes und versucht ihn dann als solchen zu lösen, sondern legt sein Augenmerk auf bestimmte „Fixpunkte“ d.h. bestimmte Steine. Die ersten beiden Ebenen löse ich intuitiv. Doch während ich drehe, weiß ich schon, wie die sich verschieben, so dass ich dann gleich den Fokus auf die anderen legen kann. So entsteht keine Pause. Für die restlichen habe ich ca. 90 Algorithmen auswendig gelernt.

Und die Fingergeschicklichkeit? Die muss man doch auch lernen. Wie bei einem Musikinstrument…

Am Anfang sind es ungewohnte Bewegungen, aber mit der Übung kommt die Geschicklichkeit, das ist meiner Meinung nach das geringste Problem. Aber der Vergleich mit dem Musikinstrument haut nicht ganz hin. Ein Instrument zu lernen, ist viel schwieriger. Den Würfel kann jeder Laie in zwei Stunden lösen. Wenn man es regelmäßig macht, kann man ihn in drei Tagen auswendig und innerhalb einer Woche ist man unter einer Minute. Auch 20 Sekunden kann auch jeder schaffen – mit ein bisschen Aufwand. Dann hört es aber irgendwann auf.

Was kommt dann ins Spiel?

Dann muss man ein Talent haben. Wenn ich mich vergleiche mit dem diesjährigem Deutschen Meister und dem Zweiten, seinem Zwillingsbruder, dann weiß ich: Die haben einfach ein Händchen dafür. Die werden immer schneller sein als ich.

Also ist Speedcubing nicht nur etwas für Cracks und Genies?

Nein. Es hat auch nicht soviel mit Mathe zu tun, wie viele meinen – außer man will verstehen, wie die Algorithmen generiert werden und so. Aber das Speedcuben ist gar nicht so anspruchsvoll. Es ist eigentlich wie lesen. Man liest ja auch nicht, indem man denkt, „ah, das ist ein b“ oder „jetzt kommt ein c“, sondern man liest die Wörter als ganze. Wir sehen auch nicht den einzelnen Stein und überlegen. Wir sehen Farbkombinationen und wissen, wie wir drehen müssen.

Bist Du nervös vor einem Wettkampf? Und was tust Du dagegen? Wie kommst Du zu höchster Konzentration?

Wettkampf ist das falsche Wort. Bei den Wettbewerben geht es vor allem darum, Freunde zu treffen. Viele haben sich ja erst durch das Speedcubing kennengelernt. Es gibt nicht so ein großes Konkurrenzverhalten wie bei anderen Wettbewerben. Nervös ist man eben bei den Disziplinen, die man am liebsten hat. Wenn man seine Bestzeit verbessern will.

Es geht also nicht so sehr darum, andere zu besiegen, sondern darum, sich selbst zu schlagen.

Genau. Man will den eigenen Rekord brechen, nicht so sehr andere in die Tasche stecken. Die meisten sehen das so.

Was magst Du außer Speedcubing? Was war Dein Lieblingsfach in der Schule? Nicht Mathe?

Mein Lieblingsfach in der Schule war Geschichte. Aber Mathe war der andere Leistungskurs. Außerdem spiele ich seit acht Jahren Handball und laufe. Und ich lese viel.